Kein Bock auf Block?

Von 4. Januar 2019Allgemein

Das Video zur neuen WordPress Version 5.0 verspricht viele geniale Features. Das Herzstück des Veröffentlichens, der Editor, wurde grundlegend überarbeitet. In diesem Zuge hat das global weit verbreitete Content Management System (CMS) eine massive Überarbeitung erfahren. Wie bei WordPress üblich, ist der Namensgeber ein Jazzmusiker: Version 5.0 ist nach Bebo Valdés benannt. Und wie man es bei einem Eingriff am Herzen des Systems erwarten konnte, läuft die neue Version nicht auf allen Webseiten problemfrei. Wir beantworten die jetzt wichtigsten Fragen für WordPress Nutzer.

WordPress 5 und Gutenberg – was bringt es mit?

Mit Version WordPress 5.0 „Bebo“ findet der brandneue Gutenberg-Editor automatisch Einzug in das CMS. Dieser basiert auf „Blöcken“, man kann also jeden WordPress Inhalt zu einem Block machen. Diese neu eingeführten Blöcke können sein:

  • Text
  • Überschrift
  • Absätze
  • Bilder
  • Videos
  • Sounds (z.B. Podcasts)
  • Zitate
  • Auflistungen
  • Spalten
  • Bildergalerien
  • Buttons
  • Einbettungen, u.v.m.

Die Macht der Blöcke liegt darin, dass sie beliebig angeordnet und verschoben werden können, was gerade bei der Anpassung für mobile Endgeräte enorm wichtig ist. Der vorige Editor namens TinyMCE ist ein klassischer WYSIWYG Editor. Er erlaubt relativ simple Bearbeitungsfunktionen und sieht im Vergleich zu Gutenberg altbacken aus:

der alte Editor der neue Gutenberg Editor

Vergleich der Editoren. Ziehen Sie die cyanfarbene Linie, um die verschiedenen Versionen zu sehen.
Links: voriger Editor »TinyMCE«. Rechts: neuer Editor »Gutenberg«

Das Prinzip von WordPress 5 ist also, dass beliebige Blöcke auf einer Webseite in beliebiger Reihenfolge angeordnet und positioniert werden können – und das über verschiedene Geräte hinweg. So entstehen vom Smartphone bis zum großen Desktop Monitor moderne und abwechslungsreiche Webseiten, die optimal responsive sind.

Matt Mullenweg, Gründer von WordPress, sagte zu Gutenberg:

Der Editor wird eine neue Erfahrung des Erstellens und Kreieren von Seiten und Beiträgen schaffen, was das Schreiben von reichhaltigen Beiträgen mühelos macht, und er hat „Blöcke“, um es einfach zu machen, was heute mit Shortcodes, individuellem HTML oder sonstigem eingebundenen „HokusPokus“ Zeugs zu tun hat.
— Matt Mullenweg

Quelle: https://de.wordpress.org/plugins/gutenberg/

Mit „HokusPokus“ spricht Matt Mullenweg uns bei NeoDesign aus der Seele. In den vielen Jahren seit Firmengründung im Jahr 2004 haben wir so viele seltsame Verbiegungen von WordPress gesehen, dass wir teilweise sprachlos davor standen; lesen Sie mehr dazu in unserem Blogbeitrag „Halte Dein System sauber!“.
Zurück zu Gutenberg: das Konzept ist rund und spornt die ganze WordPress Community an, die neuen Blöcke zu nutzen. Leider kam es beim Release zum Nikolaustag 2018 zu Dissonanzen mit den Anwendern.

Was lief beim WordPress 5 Release schief?

Die Entwicklung von Gutenberg hat über ein Jahr in Anspruch genommen. Der neue Editor konnte schon seit langer Zeit als Plugin geladen und aktiviert werden. Die Bewertungen sind oft miserabel ausgefallen, weil Systeme nicht kompatibel waren. Bei 310 gemeldeten Problemen, von denen nur 62 gelöst sind (Stand 03.01.2019, vgl. Screenshot unten) verwundert es doch, warum das Update schon veröffentlicht wurde.

Ratings und Bugfixes

Screenshot: Bewertungen und Bugfixes am 03.01.2019, Quelle: https://de.wordpress.org/plugins/gutenberg/#developers

Die erste Version 5.0 steckte noch voller Bugs und viele der im Video angekündigten Funktionen existieren noch gar nicht. Zwar sind in der aktuellsten Version WordPress 5.0.2 schon viele Bugs behoben, doch ist ein komplikationsfreier Einsatz auf vielen Webseiten noch gar nicht möglich. Das irritiert und verunsichert insbesondere Betreiber von Webseiten, die von einer stabil und zuverlässig erreichbaren Webseite abhängig sind.

Mal angenommen, der Gutenberg Editor funktioniert in einem sauber aufgesetzten CMS perfekt, so gibt es »da draußen im Web« leider eine schier unendliche Zahl von Themes und Plugins, die mit dem neuen Editor funktionieren müssen. Das Update auf WordPress 5 soll also bestehende Seiten nicht beeinträchtigen. Seitens des Gutenberg Teams ist vorgesehen, dass der jetzige Inhalt des Editorfensters in einen einzigen „Block“ gespeichert wird. Von dort aus kann der Webseitenbetreiber den einen Block in mehrere Blöcke aufteilen und dynamisch über die Seite verteilen. Doch gerade hier gibt es die Probleme. Ganz oft lesen wir im WordPress Forum: […] Update auf 5.0 gemacht. Der Gutenberg Editor ist jetzt aktiviert. Wenn ich Gutenberg deaktiviere, zerlegt mir das meine Webseite […]
Viele Betreiber von WordPress Webseiten zögern daher mit einem Update auf WordPress 5.

Was sollten WP Nutzer jetzt tun?

Zuallererst: ein vollständiges Backup. Das kann bei Problemen wiederhergestellt werden und verhindert so manchen großen Ärger.

Wer unsicher ist, kann das Update auf Version 5 noch etwas hinauszögern. Die aktuell modernste Version in WordPress 4 lautet 4.9.9 und kann ohne Bedenken eingesetzt werden. Das automatische Update von WordPress geschieht nur für sog. „minor Releases“, also von 4.9.2 auf 4.9.3, nicht aber von Version 4 auf Version 5. Es gibt auch – anders als man es in manchen Foren von Panikmachern liest – kein „Zwangsupdate“. Also: erstmal durchatmen und abwarten, was die nächsten Wochen bringen.

Wenn man bereits auf WordPress 5 aktualisiert hat – egal ob bewusst oder versehentlich […] weil man das so kennt, auf Update zu drücken […] – kann bei Problemen den »Classic Editor« installieren. Dieses Plugin ist kostenlos und funktioniert anscheinend tadellos; hier gibt es eine Bewertung von überwältigenden 5/5 Sternen (Stand: 03.01.2019).

Es ist möglich, »Gutenberg« und den »Classic Editor« parallel zu benutzen. So kann man die Seite »nach und nach« zu Gutenberg überführen. Theoretisch soll auch beim Deaktivieren von Gutenberg alles aussehen wie zuvor; das ist aber häufig nicht der Fall. Sollte es Probleme beim Update geben, sind wir natürlich mit Rat und Tat zur Stelle.

Sie haben eine WordPress Webseite und Fragen oder Probleme bzgl. „Gutenberg“? Wir helfen Ihnen sofort weiter. Schreiben Sie uns bequem über dieses Formular:

  • (optional) Sie können hier Ihr Anliegen beschreiben

Am besten ist es, wenn man eine Kopie der Webseite auf einen Test-Server spielt und dort das Verhalten der Webseite unter WordPress 5 ausprobiert. In so einer Spiegelung kann man die Webseite mit allen Erweiterungen auf Herz und Nieren prüfen. Wenn es Probleme gibt, so ist nur die Spiegelung betroffen, nicht aber die Live-Seite. Eine solche Test-Version stellen wir für den Festpreis von 99,- Euro zur Verfügung.

Sie wünschen eine Webseiten-Spiegelung zum freundlichen Festpreis von 99,- Euro, um Ihre Webseite dort auf Herz und Nieren testen zu können, ohne die Live-Seite zu stören?

  • (optional) Sie können uns noch etwas mitteilen.

Wie kann ich mich mit WordPress 5 vertraut machen?

Gesamt betrachtet birgt der neue Editor ein enorm großes Potential. Eine Vielzahl von Plugins wird dadurch im besten Fall obsolet. Das wiederum freut uns als WordPress Profis sehr, denn „unter der Haube“ haben wir in vielen Plugins Sicherheitslücken gesehen, weswegen wir große Freunde von schlank gehaltenen Systemen sind, in denen nur solche Plugins laufen, die es wirklich braucht. Der neue Editor lässt den Bediener äußerst bequem multimediale Inhalte einfügen und trägt damit zu einem moderneren und versatileren Web bei!

Am besten kann man in einem frisch aufgesetzten System testen und üben. Wir haben für unsere Kunden und Sie als Leser dafür ein eigenes Gutenberg System aufgesetzt. Sie können sich hier einen kostenfreien Account anlegen und den neuen Editor bequem und ausführlich testen.

Was steht 2019 bei WordPress an?

Wie jedes Jahr, gab es auch in der diesjährigen Keynote „State of the Word“ von WordPress Gründer Matt Mullenweg tiefe Einblicke in die Zukunft des weltweit beliebten CMS. So ist das Rollout von Gutenberg in drei Phasen geplant. Die erste Phase befindet sich gerade mit dem Release der Version 5 und der Einführung des neuen Gutenberg Editors in der Finalisierung. Sodann gibt es die Blöcke. Wenn die Blöcke existieren, wird es in Phase 2 darum gehen, auch andere Elemente in Blöcke umzuwandeln, wie beispielsweise Menüs oder Widgets. Auch hier gibt es aktuell eine Vielzahl von Plugins, welche Systeme vollstopfen und verlangsamen. In Phase 3 wird es um ein eigenes Standard-Theme gehen, welches die sich neu eröffnenden Möglichkeiten komplett ausschöpft. Dieses ist für 2020 angesagt.

Wir sind davon überzeugt, dass Gutenberg eine fundamentale Änderung ist, welche das Potential mit sich bringt, das gesamte Web deutlich schneller und auch sicherer zu machen. Wenn Sie sich näher mit dem neuen Gutenberg Editor vertraut machen möchten, probieren Sie es doch in unserem eigens dafür angelegten Testsystem aus.

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