Onlinemarketing

Das Google Update – eine Rechnung mit vielen Unbekannten!

Offiziell entscheiden Technik, Inhalt und Vernetzung einer Webseite über deren Einstufung und Position bei Google. Die Suchmaschine gewichtet den jeweiligen Bereich jedoch ständig anders, weswegen den Updates von Google eine enorme Bedeutung zukommt. Je nachdem, welcher Bereich gerade »gehypt« wird, erzeugt der Google-Algorithmus andere Ergebnisse. Ein Albtraum für jeden Webseitenbetreiber. Daher heißt es, möglichst viel Wissen über die Updates und deren mögliche Folgen anzuhäufen.

Wir bieten im Folgenden einen Überblick über die allgemeinen Grundlagen und den normalen Ablauf eines Google-Updates sowie ein paar Eckpunkte, woran Sie ein »nicht angekündigtes« Update auf Ihrer eigenen Seite erkennen können.

Google Update – ein notwendiges Übel

Es ist kein Geheimnis, dass Google regelmäßig seinen Such-Algorithmus verändert. Die Aktualisierungen führen zu einer stetigen Weiterentwicklung der Suchmaschine. Die Maxime von Google, dem Suchgiganten aus Palo Alto, war es, das Bedürfnis seiner Nutzer bestmöglich zu erfüllen. Das Unternehmen will dem Nutzer im Idealfall schon Antworten auf eine Frage liefern, die der Nutzer zwar noch nicht eingegeben hat, aber aus dem Kontext heraus als nächstes suchen könnte.

Kontextuelle Suchen und Ketten-Suchanfragen

Diese nächste Suchanfrage vorherzusehen und bereits passende Ergebnisse zu liefern, läuft komplett vorherberechnet! Die sog. Word2Vec Algorithmen verknüpfen die Suchanfragen mit einem semantischen Kontext.

Ohne Kontext ist schwer zu erraten, was ein Nutzer meint, wenn er nach „Puma“ sucht. Geht es um die Raubkatze, den Sportschuh oder vielleicht doch um ein Auto von Ford? Durch den Suchverlauf eines Nutzers kann die Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich besser abgeschätzt werden.

Waren die Suchanfragen vorher „Safari Tour“ und „Raubkatze“, ist wohl eher der vierbeinige „Puma“ gemeint. Derartige Suchverläufe im gleichen Kontext werden auch Ketten-Suchanfragen genannt und bilden für das Online Marketing eine spannende Entwicklung für die nächsten großen Google Updates.

»Puma« als Suchbegriff:

Ist die Raubkatze Puma, das Auto Ford Puma oder der modische Sportschuh von Puma gemeint?

Woher weiß Google, was die Nutzer wirklich brauchen?

Einfache Antwort: Google weckt das Bedürfnis erst. Dafür braucht es eine Testphase und dafür wird zunächst anhand von vorher selektierten Testgruppen ermittelt, ob eine bestimmte Anpassung durch die Suchenden genutzt wird und sie zufriedenstellt. Im weiteren Verlauf bildet der Onlineriese anhand zielgruppenspezifischer Merkmale verschiedene Gruppen und startet zu einem neuen Feature den Testlauf. Dabei wird in den wenigsten Fällen eine explizite Einladung für den Test ausgestellt, zumeist läuft das als Blindtest. Warum agiert Google in dieser Form?

Offizielle Testeinladungen – Akzeptanzforschung 2.0

Einladungen ergehen normalerweise ausschließlich an besonders aktive Nutzer. Die Einladung erfolgt auf deren Googlemail-Adresse. Die Betreffzeilen dafür lauten dann: »Testen Sie unser neues Feature in der Beta-Version!« oder »Geben Sie uns Feedback zur neuen Google-Funktion!« etc.

Diese Test-Einladungen werden zumeist mit sehr eng gefassten Nutzungsbedingungen verknüpft. Bereitschaft zum Test binnen der kommenden 7-14 Tage und das abschließende Ausfüllen eines Evaluationsformulars nach erfolgter Testperiode sind absolut normal. Sollte man eine dieser seltenen Einladungen erhalten und akzeptieren, ist es ratsam, den Test auch wirklich zu absolvieren und insbesondere das Formular gewissenhaft und vollständig auszufüllen.

Im Ergebnis laufen diese Einladungstests wie »Heimspiele«, da Google grundsätzlich selbst seine »Fans« aussucht. Zusätzlich handelt es sich zumeist um Anwendungsprofis wie auch Entwickler, die versuchen, faktisch alle denkbaren Szenarien durchzuspielen. So werden diese Power-User zu einem wichtigen Bestandteil der Qualitätskontrolle für jedes Update von Google.

AMP Technologie von Google | Blitz Icon in SERPs
1
Das Blitz-Symbol zeigt einen AMP-Artikel, der vor 4 Stunden veröffentlicht wurde.
2
Das Blitz-Symbol zeigt einen AMP-Artikel mit Video-Integration.
3
Das Blitz-Symbol markiert einen weiteren AMP-Artikel in der Suchergebnis-Seite.
4
NeoDesign – die vielleicht beste Agentur für Online Marketing 🙂

Stille Feature Tests ergeben, ob der Markt das Feature annimmt

Gerade im Bereich Frontend – also der Darstellung der Suchergebnisse bei Google – geht schlicht nichts ohne Blindtests. Beispiel: Die Einführung des Blitz-Symbols für schnelle News. Ein stiller Feature-Test hat auf Smartphones bei News-Artikeln vorne ein Blitz-Symbol angefügt, wenn die Newsmeldung mittels einer ultraschnellen AMP-Technologie erstellt wurde. Dadurch sollte dem Nutzer eine extrem schnelle Konsumierung der Inhalte suggeriert werden.

Für diesen Test wurden insbesondere Nutzer ausgewählt, die am Smartphone mehrfach täglich Nachrichtenseiten über Google aufrufen und dort Artikel lesen. Im benannten Test wurden die Nutzersignale zwischen »mit Blitz markierten« gegen »nicht markierten« Treffern akribisch ausgemessen.

Im Ergebnis stellte sich heraus, dass die Blitz-gezeichneten News auf jeder Rankingposition öfter gelesen wurden als ohne. Also auch wenn eine Blitz-gezeichnete News weiter unten stand, wurde diese häufiger geklickt als nicht-markierte News. Daher sah Google sich bestätigt und führte diese Neuerung in einem Update ein.

Warum treibt Google einen solchen Aufwand

Über die Intentionen bei Google – also das »Warum« – hinter den zahlreichen Updates lassen sich naturgemäß nur Mutmaßungen anstellen. Früher hatte die Suchmaschine »don’t be evil« als Firmencredo. Doch dieser Vorsatz ist mittlerweile verschwunden. Derzeit beobachten wir Webseitenoptimierer eine gewisse Optimierungsrichtung hin zu bezahlten Anzeigen oder zur ausschließlichen Nutzung der Google Infrastruktur. Es geht nicht mehr rein um das Auffinden der eigenen Webseite oder das Darstellen von gefundenen Inhalten, sondern um die Auffindbarkeit im Google-Ökosystem – egal ob bei YouTube, Google, Google Maps oder dem sogenannten Local Pack von Google mit den MyBusiness Accounts. Auch die angesprochene AMP-Technologie für mobile Seiten ist eine Google-eigene Erfindung, die entsprechend promoted wird.

Wie läuft ein Google Update ab?

Wird ein Google Update offiziell verabschiedet, so wird es klassischerweise weltweit ausgerollt. Das Roll-Out neuer Features erfolgt meist nach Zeitzonen. Zeitzone am Google Unternehmenssitz in Palo AltoDabei wird in der Zeitzone des Gründungssitzes von Google begonnen und anschließend je Zeitzone vorgerückt. Dadurch stehen den Nutzern die neuen Funktionen jeweils zur örtlich gleichen Uhrzeit zur Verfügung. Bei großen angekündigten Veränderungen schielen Online Marketer daher zum Stichtag gerne schon früh auf amerikanische Leitblogs, da diese die neuen Funktionen aufgrund dieser Vorgehensweise eben erheblich früher erhalten.

Die ersten Screenshots neuer Funktionen erfreuen sich dabei hoher Beliebtheit. Wer dies nicht abwarten möchte, kann sich ebenso über einen VPN-Tunnel an einem passenden amerikanischen Standort einwählen und dann über google.com die neuen Features selbst testen.
Spannend ist daher die Frage, ob Algorithmus-Änderungen vorab bekannt gemacht werden.

Panda Update

Das Panda Update wertet(e) die Qualität der Inhalte von Webseiten. Schlechter Content wurde und wird abgestraft. Es handelt also um ein inhaltsgesteuertes Update.

Pinguin Update

Das Pinguin Update soll(te) das sog. Black Hat Spamming bestrafen. Mit Black Hat sind alle Techniken gemeint, die für den Nutzer unsichtbare Keywordwolken und Backlinkverbindungen nutzen. Das Update fördert die „guten“ Webseitebetreiber.

Phantom Update

Zahlreiche unangekündigte Google Updates werden als Phantom Update betitelt. Phantom beschäftigt sich auch mit der Qualität von Webseiten, anders als Panda jedoch bezogen auf mögliche Barrieren der Interaktion mit dem Nutzer, z.B. störende Popup-Fenster oder nervige Werbung bis hin zu Spam.

Angekündigte Updates sind entweder hammerhart oder seidenweich

Die meisten der Google Updates geschehen ohne vorherige Benachrichtigung, diese werden »silent Updates« genannt. Andere Änderungen am Algorithmus wiederum werden im Vorfeld angekündigt, dies sind die sog. »announced Updates«.

Unabhängig davon, ob das Google Update vorher angekündigt wurde oder nicht, gibt es noch eine zweite Variable in der Firmenkommunikation der Suchmaschine. Oftmals werden von den gängigen SEO Tools, wie SISTRIX oder semrush, große Umwälzungen in den Suchergebnissen gemessen. Das ist der Fall, wenn die »Bewegungen« in den Top 100 nicht den normalen Schwankungen unterliegen, sondern wild durchgewirbelt werden. Finden die SEO Tools solche Auffälligkeiten, ohne dass es von offizieller Stelle eine Meldung oder Bestätigung dazu gibt, ist dies mit ziemlicher Sicherheit ein »silent Update«. Bis zu deren Bestätigung tragen diese Vermutungen den Titel »Phantom Updates«.

Wo kann ich nachlesen, welche Updates erfolgt sind?

Fakt ist, dass es beinahe immer nur um kleine Veränderungen, sog. »minor Updates«, geht. Nur wenige Algorithmus-Anpassungen haben einen wirklich großen Umfang und bekommen dann sogar eigene Namen, wie »Panda« oder »Pinguin«. Diese werden dann auch zyklisch nachjustiert. [externer Link zur Quelle: https://moz.com/google-algorithm-change]

Die beliebteste Quelle ist der Web-Blog von moz. Auf der Seite »Google Algorithm Change« zählten die Autoren bei moz über 3.200 Updates für das Jahr 2018. Nur eine Handvoll wurde vorher angekündigt, einige Dutzend wurden offiziell bestätigt – manche früher, manche später. Der größte Anteil bleibt Vermutung und zeigt, dass der Google Algorithmus nicht in Wellen, sondern wie ein biologischer Organismus ständiger Veränderung unterliegt.

Branchenimmanente Updates – enge Zielgruppe, große Wirkung

Neben den allgemeinen Updates, welche globale Veränderungen mit sich bringen, gibt es mehrmals im Jahr branchenimmanente Updates. Ein Beispiel: die sogenannten Medic-Updates bearbeiten die Rankings von Medizin- und Wellness-Webseiten. Das begründet sich hauptsächlich darin, dass diese Seiten folgende Eckpunkte aufweisen, die Seiten anderer Branchen eher nicht haben.

Extreme Textlängen > Webseiten mit mehr als 3.000 Wörter+

Fachseiten mit einer hohen Dichte an Fremdwörtern und Fachbegriffen

Hohe Ähnlichkeit der Texte durch nur sehr feine, inhaltliche Unterschiede

Würden diese Texte genauso behandelt wie andere, würden Sie als lang, schwierig zu lesen und möglicherweise als Duplikate anderer Seiten von Google erfasst. Das würde die Suchergebnisse sehr stark beeinflussen und möglicherweise dazu führen, dass wenig sinnstiftende Suchergebnisse nach oben gespült werden. Was man wissen muss: Google lebt noch immer davon, dass die Nutzer daran glauben, die sinnvollsten Ergebnisse auf Seite 1 angezeigt zu bekommen. Natürlich hat das Medic-Update auch Einfluss auf andere Branchen, meistens sind das: Tourismus, Reisen und Ratgeber.

Nutzerorientierte Updates – die Zukunft liegt im Smartphone

Mobile Updates, so wie das für den September angekündigte, spielen in einer ähnlichen Liga. Die Nutzung von Google verlagerte sich in den letzten Jahren in zunehmendem Maße in den mobilen Bereich. Mehr als 69 Prozent aller Suchanfragen laufen lt. einer Schätzung aus dem Jahr 2017 derzeit über mobile Endgeräte. Viele Dienste, wie Google Maps oder Google My Business, entfalten Ihre Leistungsfähigkeit erst auf dem Smartphone. Daher entstehen die Treffer in den Suchergebnislisten bei Google auch immer mehr durch Bots (Suchprogramme von Google), welche die mobile Nutzbarkeit mit untersuchen. Ab September geht es dort nun konsequent nur noch über mobil – eine Ankündigung, die klein klingt, aber für viele Webseiten in einem Desaster enden kann.

Was ist für das Mobile Update zu beachten – kostenfreies Webseminar   

Wie können Sie herausfinden, ob ein Google Update Ihre Seite betroffen hat?

Die einfachste Variante wäre, sich selbst zu googlen. Das ist jedoch leider der falsche Weg. Da Google ja, wie schon ausgeführt, den Kontext Ihrer Suchanfragen ausliest, werden deutlich andere Ergebnisse herauskommen als bei einem »unbeteiligten« Suchenden. Deswegen gibt es eine Fülle von Tools, die online zur Verfügung stehen, um die allgemeine Sichtbarkeit von Webseiten zu betrachten.

Interessante Tools für das Erkennen von Google Updates

Wir haben schon viel Erfahrung mit den gängigen Tools gemacht. Leider mit der ernüchternden Feststellung: Ohne Kohlen nix zu holen!

  • Sistrix (Profiwerkzeug – ab 100 Euro p.m.)
  • Searchmetrics (Profiwerkzeug – gesamte Suite ab 399 Euro p.m.)
  • Semrush (kostenlos – sinnvoller aber mit Premiumaccount ab 50 Euro p.m.)
  • Ryte (kostenlos – gute Addons aber kostenpflichtig)

>> In einem weiteren Blogbeitrag werden wir in Kürze detaillierter auf diese Tools eingehen <<

Wichtig dabei – egal bei welchem Werkzeug: Nutzen Sie immer nur dieses eine. Ermitteln Sie hier Ihre »Kenngröße«! Die Indizes der Tools divergieren teilweise erheblich, da sie unterschiedliche Schwerpunkte legen. Haben Sie sich also entschieden, verwenden Sie diesen Index als Ihre entscheidende Korrelation (sog. KPI).

Was tun, wenn Sie betroffen sind?

Geht die Kurve dann nach unten oder oben, ohne dass Sie wirklich an Ihrer Webseite etwas getan haben, ist wohl Google dafür verantwortlich. Die meisten Tools der besseren Sorte kosten zwar etwas Geld pro Monat, liefern aber detaillierte Informationen zu bestätigten Google Updates gleich frei Haus mit.

Auch bei einem Absturz ist es besser, dies sofort anhand der Kurve zu sehen, anstatt erst Wochen später zu merken, dass irgendwie weniger Anfragen über die Webseite zu kommen und erst dann überhaupt mit der Analyse der Ursachen zu beginnen. Sie können so schneller und zielgenauer bei einem Absturz gegensteuern oder aber bei einem starken Anstieg unterstützen.

Das Entscheidende ist: Sie müssen sich informieren, denn anders als ein Plakat unterliegen die Werbebotschaften Ihrer Webseite gerade bei Google einer andauernden Veränderung. Anders gesagt, Ihre Webseite (sinnbildlich »Ihr Plakat«) hängt mal hier, mal dort, mal auf einem Meter Höhe, mal in 30 Metern, mal am Ortsausgang, mal am Hauptbahnhof. Passen Sie die Inhalte und Technik also immer den technischen und inhaltlichen Vorgaben an – dann ist eine schöne Lage für Ihre Botschaft durchaus machbar.

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