Digitale Plattformen befinden sich auf dem Vormarsch. In zahlreichen Projektbeschreibungen liest man bereits nicht mehr von einer „Webseite mit Verwaltungs-Tool“, sondern eben von „DEM neuen Portal für Hundefriseure“.

Doch wo endet die Begrifflichkeit der „Webseite“ und wo beginnt ein „Portal“ – oder ist das gar das Gleiche? Vor einer Entscheidung wäre es wichtig, die Begrifflichkeiten näher zu fassen.

Das allseits beliebte Online-Nachschlagewerk Wikipedia beschreibt den Begriff (Web-)Portal folgendermaßen:

„Der Ausdruck Portal (lateinisch porta „Pforte“) bezeichnet in der Informatik ein Anwendungssystem, das sich durch die Integration von Anwendungen, Prozessen und Diensten auszeichnet. Das Portal stellt seinem Benutzer verschiedene Funktionen zur Verfügung, wie beispielsweise Personalisierung, Navigation und Benutzerverwaltung. Außerdem koordiniert es die Suche und die Präsentation von Informationen und soll die Sicherheit gewährleisten.“

Hauptschlagwörter sind also Integration, Funktionsvielfalt sowie Koordination und Präsentation von Informationen. Doch verwirrend bleibt es trotzdem, da eine komplexe Webseite und ein einfaches Portal damit die gleichen Parameter erfüllen würden.

Unser Team bei NeoDesign hat tagein, tagaus mit verschiedensten Anforderungen in unseren Projekten zu tun – und wir unterscheiden ganz pragmatisch. Portale sind Webseitenkonstrukte, die nicht nur in eine Richtung funktionieren, also durch die Zurverfügungstellung von Inhalten, sondern bidirektional konzipiert sind.

 

Prägnant formuliert:

Wenn der Nutzer gleichzeitig Rezipient und Inhaltsersteller ist, handelt es sich um ein Portal.

Beispiele:

Webseite:Nutzung eines Musik-Streaming-DienstesPortal:Musikblog mit persönlicher Meinung und Bereitstellung eigener Playlists
Webseite:Wanderwege online dargestelltPortal:Regionale Tipps für Wanderrouten mit GPS Koordinaten, Einkehrmöglichkeiten und Routenempfehlungen
Webseite:Fleischbestellung im OnlineshopPortal:Live-Video-Chat zur individuellen Kaufberatung mit dem Metzger

Entscheidend für die Einordnung als Portal ist es also, ob Prozesse und die Zusammenarbeit von heterogenen Nutzergruppen werden gefördert und geteilt oder ausschließlich nur genutzt.

Portal als Geschäftskonzept braucht Aktivität und Mehrwerte

Bedingt durch unsere eigenen Akquisekonzepte sind wir sehr aktiv im Netzwerkmarketing. Eines unserer Hauptschwerpunkt-Networks ist das BNI, ein erfolgreiches Business Netzwerk mit Konzentration auf Deutschland, Österreich und die Schweiz, das aber auch weltweit organisiert ist. Da weltweite Zahlen schwer zu greifen sind, hier einige aktuelle Zahlen aus der Region: Mehr als 800 Mitgliedern im Raum Südbayern treffen sich regelmäßig in über 30 Unternehmerteams.

Von Augsburg über München bis Rosenheim ersteckt sich das Netz. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder durch gegenseitige Empfehlungen Aufträge in Höhe von mehr als 65 Millionen Euro generiert. Das bedeutet mehr 81.000,- Euro mehr Umsatz pro Jahr und Mitglied. Bedingt durch den Erfolg befinden sich zahlreiche Unternehmerteams derzeit in Gründung. Das Netzwerk wächst – ABER die technische Organisation hinkt hinterher.

Die onlinegestützte Darstellung und Organisation eines solch rasant wachsenden Netzwerkes müsste oberste Priorität haben. Doch die eigenständigen Initiativen, wie BNI Connect oder BNI Südbayern, sind eher funktionsarme Webseiten. Digital gestützte Netzwerk-Portale müssen sich jedoch am Maß von XING oder LinkedIN messen lassen. Teilen und organisieren von Veranstaltungen, Diskussionforen, interaktive Nachrichtenfeeds oder multimediale Mitgliederdarstellung sind hier Standard. Auch wenn diese Netzwerke eine etwas andere Ausrichtung haben – da sie auch als Marketingkanäle nach außen gerichtet sind, kann und muss sich BNI an diesen Platzhirschen orientieren.

BNI Connect – Anspruch an Inhaltsdarstellung (sichtbar für jeden Besucher)

  • Hervorhebung der im Netzwerk tätigen Person, gleichzeitig Darstellung des Unternehmens
  • Basisfunktionen: Kontakt, Steckbrief, Funktion, Fähigkeiten, News, Stellenangebote, Soziales Engagement
  • Im Personenprofil besonders: Bequemen Kontaktaufnahme (Mail, Chat, Videochat), Zusatzinformationen (Ausbildung, derzeitige Position, persönliches Credo, individuelle Leistungskomponenten, detaillierter beruflicher Werdegang)

BNI Connect – Wirklichkeit der Inhaltsdarstellung (sichtbar für jeden Besucher)

  • Basiskontaktdaten, ggfs. Social Media Profile und eine Kurzpräsentation

Alexander Lutz

Der Grundgedanke des (Online-)Netzwerkens ist bei BNI Connect nicht zu Ende gedacht. Es fehlen sinnhafte Rubriken, wie „Ideale Empfehlung“, „Bestes Produkt“ und „Mein idealer Empfehlungspartner“.

Die Außendarstellung hinkt hier den internen Funktionen komplett hinterher. Mitglieder können sich für Veranstaltungen anmelden, die Leistungen des eigenen Unternehmerteams abfragen oder sich direkt mit anderen Mitgliedern verknüpfen. All das bleibt dem Außenstehenden verschlossen. Der eigentliche Nutzen ist daher erst dann ersichtlich, wenn der Interessent schon BNI-Mitglied ist.

Die sinnhafte Funktion der Mitgliederwerbung ist daher quasi komplett ausgelassen worden – ein enormer Unterschied zu XING oder LinkedIn. Diese zeigen ihren Nutzen bereits in der nicht-gekauften und sogar nicht-registrierten Version. Es ist sofort ersichtlich, dass es sich um ein professionelles Business Netzwerk handelt, durch das Kontakte geknüpft werden können. Flankierende Funktionen, wie das Organisieren von Events, die Ausschreibung neuer Stellen und das Netzwerken über Gruppen, Foren oder den persönlichen digitalen Kontakt werden hervorgehoben.

Alexander Lutz

Fazit: BNI ist offline top, online ausbaufähig. Einer der Gründe, warum sich die Chefs der jeweiligen Regionalverbände derzeit in Wien treffen.

Gemeinsam mit den aktivsten Netzwerk-Mitgliedern, zu denen auch unser Team gehört, werden zukünftige Marketingmaßnahmen besprochen – der Ausbau der Plattform BNI Connect ist dabei definitiv ein zentrales Thema.