Homo informaticus – können unsere Gene mit der Technik Schritt halten?

Information und Datafizierung sind allgegenwärtig. Wir befinden uns im digitalen Jahrhundert, mitten in der digitalen Revolution. Für den postmodernen Homo sapiens sapiens ist der Alltag eine ständige Belastung, welche uns jedoch überhaupt nicht mehr präsent zu sein scheint. Die Menge an Nicht-Nachrichten ist heutzutage unglaublich hoch. Es wird in jeder erdenklichen Form mit Content, also Inhalten, um sich geworfen. Die Darbietungsformen reichen von gedrucktem Text in Zeitungen, auf Flyern über Plakate, bewegte Litfaßsäulen und Info-Screens an der U-Bahn, dem handgeschriebenen Tagesangebot des Bäckers auf einer Tafel bis hin zu crossmedialen Konzepten, wie z.B. Radiosendern, die man jetzt auch als Whatsapp-Kontakt mit sich herumträgt und somit täglich über Push-Nachrichten informationell versorgt werden kann.

Der Begriff Homo informaticus hat sich bereits als Trendwort etabliert. Experten diskutierten vor knapp einem Jahr an der Hanns Seidel Stiftung unter dem Rahmenprogramm „Der Mensch als Datenschatten – optimiert aber dehumanisiert?“ (Download PDF-Datei) und haben durchaus Bedenken zur Menschheit 2.0. Wir sind in der Lage, durch Fitness-Armbänder oder technische Gadgets wie Smartwatches unser Leben zu digitalisieren. Andererseits sind eingesetzte Herzschrittmacher bereits heute eine Verbindung von digitaler Technologie mit dem humanen Dasein. Macht dieses medizinische Implantat den Menschen damit bereits zu einem Cyborg?

Technischer Fortschritt überholt die mentale Kapazität und Vorstellungskraft:

Christoph Keese warnt in seinem erfolgreichen Hörbuch „Silicon Valley“ (Link zum Hörbuch bei audible.de) vor den Ansätzen der sog. Singularität, welche in noch theoretischer Reinform einen Übergang der menschlichen Existenz hin zu einem Fortführen als digitale Spiegelung des eigenen Bewusstseins in der Cloud bedeutet. Man wäre überall und nirgendwo. In etwa so, wie die Daten, welche man aktuell in die Dropbox legt. Inwiefern dann noch ein Reisepass benötigt wird, ist eine offene Frage im zugegeben bilateral diskutierbaren Diskurs.

Jedenfalls muss der moderne Mensch heutzutage mit der stetigen Informationsflut umgehen lernen. Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, welche auch Eltern in der Kindeserziehung beschäftigen und vor noch ungeahnte Diskussionen und Aufgaben stellen wird. Man muss sich vor Augen halten: Die GameBoy-Generation (Generation Y, geboren 1980-1999), vom Namen her viele Jahre das Synonym für computeraffine Menschen ist nun selbst in den Dreißigern und hat somit schon Kinder. Diese können mit zwei oder drei Jahren schon problemlos iPhones entriegeln und die Mobiltelefone der Eltern erkunden. Für diese jetzt folgende Bevölkerungskohorte ist die Bezeichnung Generation Z (geboren ca. 1995-2010) schon gar nicht mehr zutreffend. Generation Z strömt gerade auf den Arbeitsmarkt und stellt Personaler vor neue Herausforderungen, da sie ganz andere Erwartungshaltungen mitbringt als noch die GameBoy-Generation, welche sich nach der Work-Life-Balance sehnt. Firmen etablieren teilweise erst jetzt funktionierende Konzepte dafür, doch der junge Arbeiter-Nachwuchs fordert jetzt schon andere Dinge von Unternehmen und Arbeitgebern. Offen bleibt die Frage: Was kommt nach Generation Z? Eine Bezeichnung hierfür fehlt aktuell. Möglicherweise „Generation Social Media“?

Fakt ist: Wer nicht lernt, die Informationen zu filtern, wird eine schwere Zeit vor sich haben. Info-Screens oder große Bildschirme in Apotheken sind ja noch mit gewissem ästhetischen Reiz verbunden, wenn die Werbung darauf intelligent gestaltet ist; das Konsumieren dieser Informationen ist vielleicht nicht direkt als angenehm zu bezeichnen, jedenfalls aber nicht penetrant lästig. E-Mail Konten ohne guten Spamfilter und Arbeitsplätze ohne Ad-Blocker im Browser bilden jedoch ein Risikopotential für die eigene Gesundheit. Ein erst in den jüngsten Jahrzehnten aufgetretenes medizinisches und diagnostisches Phänomen ist die ungefilterte Reizüberflutung oder auch Hochsensibilität genannt. Die Anerkennung als Krankheit ist noch nicht erfolgt, weswegen das Arbeitsfeld der High-Sensitivity Forschung (HS-Forschung) für die kommenden Jahre gesichert sein dürfte.

Anforderungen an wirklich guten Content:

Viele Fakten sprechen also dafür, dass Informationen schnell als lästig eingeordnet werden können. Im digital-medialen Kontext sowieso, da hier das Überangebot an Werbung, Bannerplätzen und intelligenten Targeting-Kampagnen unglaublich groß ist. Als Sender von Informationen möchte man also sicherstellen, dass der (gewünschte) Rezipient die Nachricht erhält und dann auch konsumieren möchte. Mit dem reinen Informations-Ansinnen ist das heutzutage nicht mehr sichergestellt.

Text soll informieren (logisch). Text soll unterhalten. Text soll aber auch zum Anregen einer Diskussion dienen. Mögliche weitere Nebenziele, welche in einer guten Content-Strategie immer bedacht sein sollten:

  • Einzigartigkeit
  • Fehlerfreiheit (Fakten und Rechtschreibung)
  • Gute Gliederung
  • vernünftiger Einsatz von Textauszeichnungen und ordnenden Elementen (Fettungen, Unterstreichungen, Kursiv-Stellen, Tabellen, Aufzählungen)
  • richtige Länge des Inhalts
  • Klarheit und Verständlichkeit: Schwierigkeitsgrad an Zielgruppe anpassen (FLESCH-Wert)
  • stringente Wortwahl / einheitlicher Schreibstil / passender Ausdruck
  • Anreicherung mit multimedialen Inhalten im richtigen Maße
    • Bilder / Bildergalerie / Panoramen
    • 3D-Ansicht
    • PDF Dateien (Explosionszeichnung, Datenblatt, Anleitung, Aufbau-Beschreibung, …)
    • Tonaufnahme
    • interaktive Präsentation / Webinar
    • Video / Erklärvideo / 3D-Video
    • Downloads (z.B. Installationsprogramme oder Excel-Dateien, Word-Vorlagen)
  • Querverlinkung zu weiterführenden Inhalten
  • Aktivieren und Interaktion auslösen (Anfrage, Anruf, Diskussion beitreten, Formular ausfüllen,  …)
  • Transaktion auslösen (Flug buchen, zum Seminar anmelden, Produkt / Geschenk erwerben, …)

Das Anforderungsprofil an einen wirklich guten Text ist also sehr breit gefächert und bietet Dutzende Möglichkeiten zur Individualisierung. Die Gefahr von Duplicated Content, also einer Strafe durch Google für Plagiate, ist natürlich gegeben. Doch betrachtet jemand seine Inhalte ernsthaft kritisch und räumt dann noch die Zeit ein, es ordentlich zu machen, so sollte es der Unmöglichkeit nahe kommen, inhaltlich identische Werke zu liefern.